B2B/SaaS Map Feature
Prozess
Hinweis: Alle dargestellten Inhalte und Daten wurden anonymisiert oder abstrahiert, um vertragliche Vertraulichkeitsvereinbarungen (NDA) sowie den Datenschutz zu wahren.
Kontext und Problem
Mit HouzyConnect, dem digitalen Kundenportal des Schweizer PropTechs Houzy, können Handwerksbetriebe ihre Offert- und Kundenprozesse vom ersten Kontakt bis zum Projektabschluss zentral steuern und weitgehend automatisieren. So sparen Betriebe administrative Zeit, erhöhen ihre Abschlussquote und profitieren vom direkten Zugang zu einer grossen Community von Wohneigentümer in der ganzen Schweiz.
Nach dem Launch von HouzyConnect unterstützte die Lösung Handwerksbetriebe zwar bei der Verwaltung eingehender Kundenanfragen, war in der Oberfläche jedoch stark listenbasiert und dadurch wenig intuitiv aufgebaut.
In Gesprächen und im Vertrieb zeigte sich, dass Handwerker zwar genügend Informationen zu den Aufträgen hatten, aber keinen schnellen Überblick darüber, wo sich diese geografisch befinden und wie sich Besuche effizient kombinieren lassen.
Zentrale Probleme aus Nutzersicht:
Adressen wurden regelmässig in Google Maps oder GIS-Systeme kopiert, um Entfernungen und Erreichbarkeit zu prüfen.
Dementsprechend wurde Routen ausserhalb von HouzyConnect geplant, was Medienbrüche und Zeitverlust verursachte.
Handwerker mussten Aufwand und Reisezeit abschätzen, ohne visuelle Übersicht über alle laufenden Anfragen zu haben.

Ziele und Erfolgskriterien
Gemeinsam mit Product, Sales und UX wurden klare Ziele und Hypothesen definiert.
Produkt- und UX-Ziele:
Mehrwert nachweisen: Belegen, dass eine Kartenansicht für Handwerker einen spürbaren Effizienzgewinn bringt.
Komplexität beherrschbar halten: Zusätzliche Informationen dürfen Nutzer nicht überfordern – insbesondere auf Mobile.
Routenplanung integrieren: Route und Distanz inklusive Übergabe an das bevorzugte Navigationssystem mit wenigen Klicks verfügbar machen.
Business-Ziele:
Differenzierung von einfachen Listenlösungen durch ein professionelles, visuell stärkeres Feature.
Modularer Aufbau, um zukünftige Erweiterungen (z.B. Premium-Funktionen) kosteneffizient einführen zu können.
Langfristige Steigerung von Kundenzufriedenheit und Marktattraktivität – insbesondere im Kontext von HouzyConnect Light und möglichen Premium-Strategien.
Research und Insights
Desk Research & Konkurrenzanalyse
Zu Beginn wurden vergleichbare Lösungen analysiert, u. a. Kartenansichten aus Immobilien- und SaaS-Tools.

Wesentliche Muster, die übernommen oder adaptiert wurden:
Geteilte Ansicht mit Liste links und Karte rechts in der Desktop-Ansicht.
Ein Listeneintrag hebt den entsprechenden Pin auf der Karte hervor.
Info Card auf Pin Klick mit verdichteten Schlüsselinformationen zum Auftrag.
Das Desk Research half, Scope und Komplexität realistisch zu halten und auf bewährte Patterns zurückzugreifen, statt das Interface von Grund auf neu zu erfinden.
Nutzerverständnis: Handwerker-Alltag
In Workshops und Vorgesprächen mit Handwerkern wurden typische Abläufe rund um neue Anfragen detailliert aufgenommen.
Zentrale Erkenntnisse:
Standortprüfung ist ein fester Bestandteil des Prozesses, insbesondere bei neuen Kunden und grösseren Projekten.
Viele Handwerker denken in Distanz oder Fahrzeit und nutzen fast immer Google Maps oder Street View, um Lage, Zufahrt und Parkmöglichkeiten zu beurteilen.
Besichtigungen vor Ort sind essenziell, wodurch eine effiziente Tourenplanung direkten Einfluss auf Zeit- und Kostenersparnis hat.
Konzeption und Iterationen
Lösungsvorschläge und Varianten
Die Lösungsvorschläge wurde in mehreren Iterationen strukturiert entwickelt.

Ultra-MVP (Link zu externer Navigation):
Ein einfacher „Routenplaner“-Button neben der Adresse öffnet Google Maps in einem neuen Tab.
Ergebnis: Technisch simpel, aber kaum Mehrwert über das manuelle Kopieren der Adresse hinaus; potenziell fehleranfällig und nicht wirklich integriert.
MVP: Integrierte Kartenansicht ohne enge Verknüpfung zur Liste
Die Karte wird in HouzyConnect eingebettet, Nutzer können zwischen Listen- und Kartenansicht wechseln.
Vorteil: Reduzierter Implementierungsaufwand, da beide Ansichten noch relativ unabhängig voneinander funktionieren.
Herausforderung: Erwartungshaltung an Synchronität und klare Orientierung zwischen Liste und Karte.

„State of the Art“-Version: Liste und Karte miteinander verknüpft
Liste und Karte werden so kombiniert, dass Interaktionen sich gegenseitig reflektieren (Hover, Auswahl, Pins).
Visuell ruhige Karte, Fokus auf Interaktion und Lesbarkeit, um Überforderung zu vermeiden.
Entscheid: Diese Variante wurde als Zielbild priorisiert und weiter ausgearbeitet.
Technische Rahmenbedingungen: Karten-API
Parallel wurde eine Evaluation der Karten-APIs durchgeführt (Google Maps, Mapbox, OpenStreetMap), um UX-Anforderungen mit Kosten und Entwicklungsaufwand zu verbinden.
Ergebnisse:
Mapbox wurde von Entwicklern bevorzugt, OpenStreetMap wäre möglich, hätte aber höheren Anpassungsaufwand.
Google Maps bietet Vorteile für Street View, ist bei höherem Volumen jedoch deutlich teurer.
Für Geocoding ergeben sich Mindestpakete (z.B. 5’000–10’000 Adressen), was bei Wachstum auf 800+ Partner relevant wird.

Diese Analyse floss direkt in die Konzeption ein, insbesondere in Hinblick auf Street View und langfristige Skalierung.
UI-Design und Interaktionskonzept
Pin-Design und Statuslogik
Ein Schwerpunkt lag auf dem Pin-Design, da es sowohl Informationsdichte als auch visuelle Klarheit steuert.
Pins sind farbcodiert nach Auftragsstatus (z.B. „Offerieren“, „Nachfassen“), sodass Handwerker auf einen Blick relevante Anfragen erkennen.
Unterschiedliche Varianten wurden getestet: einfache Standardpins vs. erweiterte Pins mit Kundeninformationen.
Entscheid: Standardpins funktionierten überraschend gut für Desktop, während erweiterte Pins auf Mobile als besonders hilfreich wahrgenommen wurden.


Layout Desktop und Mobile
Das Layout folgt bewährten Patterns, wurde aber explizit auf die Zielgruppe Handwerker zugeschnitten.
Desktop: Liste links, Karte rechts; Hover über der Liste hebt den entsprechenden Pin hervor, Klick auf Pin öffnet eine kompakte Info Card.
Mobile: Standardmässig Listenansicht, Wechsel über einen Floating Action Button (FAB) zur Kartenansicht.
Auf der Detailseite einer Anfrage ist die Karte prominent integriert, inklusive Route-Start mit Übergabe an das Navigationssystem des Geräts.
Das Kartenstyling wurde bewusst neutral und reduziert gehalten, damit Statusfarben, Pins und Interaktionen klar erkennbar bleiben.

Testsetup und Vorgehen
Prototyp und Szenarien
Für die Validierung wurde ein interaktiver Figma-Prototyp für Desktop und Mobile erstellt, der die wichtigsten Interaktionen abbildete.
Einschränkungen (z.B. kein echtes Scroll- oder Pinch-to-Zoom) wurden den Testpersonen transparent gemacht.
Testaufgaben orientierten sich an realen Fällen: Anfragen prüfen, Distanz und Machbarkeit beurteilen, Route zu zwei Kunden planen.

Ein wichtiger Punkt im Setup war die Kontextualisierung pro Handwerker:
Realistische Adressen aus der Umgebung des jeweiligen Handwerkers wurden in den Prototyp integriert.
Firmennamen und Assignees wurden personalisiert, um möglichst echte Situationen zu simulieren.
Teilnehmer
Es wurden fünf Handwerker aus unterschiedlichen Gewerken getestet (u. a. Maler, Gartenbau, Storenbau), die bereits mit HouzyConnect arbeiteten. Dies stellte sicher, dass Feedback sowohl zur Funktion als auch zur Einbettung in bestehende Workflows relevant ist.
Ergebnis
Ergebnisse und Learnings
Usability
Die Usability der Kartenfunktion wurde in allen Tests als ausserordentlich positiv bewertet.
Die Kartenansicht überforderte keine Nutzer – im Gegenteil, Struktur und Informationsmenge wurden als übersichtlich und intuitiv wahrgenommen.
Der Wechsel zwischen Listen- und Kartenansicht wurde schnell verstanden, sowohl auf Desktop als auch auf Mobile.
Nutzer erkannten die Beziehung zwischen Liste und Pins ohne zusätzliche Erklärung, inklusive Hervorhebung und Navigation zur Detailansicht.
Standardpins funktionierten besser als erwartet; erweiterte Pins wurden insbesondere auf Mobile als wünschenswerte Option genannt.

Effizienz- und Business-Mehrwert
Alle Handwerker bestätigten einen klaren Effizienzgewinn durch die Kartenfunktion.
Die Möglichkeit, Kundenstandorte direkt auf der Karte zu sehen, erleichtert die Einschätzung von Distanz und Machbarkeit deutlich.
Die integrierte Routenfunktion löste bei 4 von 5 Testern eine explizite „Wow“‑ oder „genial“‑Reaktion aus.
Auf Mobile wurde die direkte Übergabe an Google Maps oder Apple Maps als besonders wertvoll empfunden, da die Route „von überall“ gestartet werden kann.

Aus Business-Sicht zeigte sich:
Die Kartenfunktion wird als starker Mehrwert und „Luxusfunktion“ wahrgenommen, die den Alltag spürbar erleichtert.
Alle Tester sahen einen direkten Bezug zu ihren tatsächlichen Bedürfnissen, auch wenn die Funktion allein nicht als alleiniger Zahlungsgrund für HouzyConnect wahrgenommen wurde.
Die Ergebnisse unterstützen die Idee, die Karten- und Routenfunktion perspektivisch als Premium-Feature oder Teil eines Mehrwertpakets zu positionieren.

Rolle und Beitrag
In diesem Projekt war ich als Projektleiter tätig und verantwortete die Funktion Konzeption auf strategischer und operativer Ebene.
Meine Beiträge umfassten:
Strukturierung der Idee aus dem Sales-Bereich in ein klares Produktziel mit Hypothesen und MVP-Scope.
Durchführung von Desk Research, Ableitung von UI-Patterns und Definition des modularen Feature Setups.
Erstellung von Wireframes, Screen Designs und Prototypen für Desktop und Mobile.
Planung und Durchführung der Usability-Tests vor Ort gemeinsam mit dem UX Lead, inkl. Szenarien, Moderation und Auswertung.
Erstellung einer detaillierten Spezifikation (inkl. API-Entscheidungsgrundlagen) für das Entwicklungsteam.



Learnings und Ausblick
Wichtige Learnings aus dem Projekt:
Realistische Adressen und bekannte Umgebungen erhöhen die Qualität des Feedbacks deutlich.
Eine Kartenfunktion lässt sich schrittweise von Ultra-MVP zu State-of-the-Art ausbauen, wenn Architektur und Layout darauf vorbereitet sind.
Interfaces müssen klar, reduziert und fehlertolerant gestaltet sein, da ein grosser Teil der Zielgruppe (Handwerker) wenig technische Erfahrung im digitalen Arbeitsalltag hat.
Perspektivisch ermöglicht das modulare Design, weitere Funktionen wie z.B. Cluster Optimierungen, Routenoptimierung für mehrere Termine oder Premium-Pakete rund um Effizienz Tools aufzubauen.




